Jana unterwegs: Tschechien, Prag und die böhmische Küche

Wie jedes Jahr, waren wir auch dieses Jahr wieder zum „mit-dem-Floß-durch-Brandenburg-Tuckern“ an der Havel. Doch diesmal wollten wir den Urlaub noch etwas länger genießen und so entstand spontan die Idee nach Prag zu fahren. Natürlich nicht mit dem Floß, sondern mit dem Auto, was in vier Stunden und mit einer tschechischen Autobahnvignette möglich ist. Dann war der große Tag auch schon da und ich minimal nervös, weil man ja so wenig weiß über die Nachbarn im Osten, die Sprache nicht spricht und auch nicht verstehen kann und es viele Vorurteile gibt. Diese möchte ich gleich einmal aus dem Weg räumen: Nein, unser Auto wurde nicht geklaut und die meisten Tschechen sprechen sehr gutes Englisch, was an den vielen in Prag lebenden Amerikanern liegt.

Wir fuhren also über die tschechische Grenze, voller Erwartungen an dieses unbekannte Land. Ein Stück der Autobahn war gesperrt, weswegen wir für ca. 20 km auf die Bundesstraße ausweichen mussten. Das fanden wir aber nicht weiter schlimm, denn so bekommt man auch einmal den ländlicheren Teil dieses schönen Landes zu sehen. Kaum von der Autobahn abgefahren, erschien rechts neben der Straße eine Ruine mit zerschossenem und zerbombtem Mauerwerk. Da muss man schon erstmal schlucken, denn sowas sieht man sonst eigentlich nur in den Nachrichten. Aber es stellte sich heraus, dass diese Ruine einfach so abgelegen lag, dass es sich nicht gelohnt hätte, diese nach dem zweiten Weltkrieg wieder in Stand zu setzen oder aber gar abzureißen. Die nächsten Orte durch die wir fuhren waren ganz normale kleine Orte, wie man sie auf dem Land eben so findet: Kleine Bauernhöfe, alte Tankstellen und alte Häuser. Besonders beeindruckend war die Natur, denn Tschechien ist unfassbar grün mit vielen Hügeln, kleinen Bergen und tollen Panoramen.

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Blick von der Karlsbrücke auf die Prager Kleinseite

In Prag angekommen zog es uns nach einem kurzen Zwischenstopp schnell in die Altstadt. Unser Hotel lag 2,3 km vom Stadtkern entfernt, was aber nicht weiter schlimm war, denn Prag verfügt über ein tolles Nahverkehrsnetz. Wir entschieden uns trotzdem dafür, zu Fuß in die Innenstadt zu laufen, denn so lernt man eine neue Stadt nunmal am besten kennen. Was uns in der Altstadt erwartete war atemberaubend! Alles sieht aus wie im Märchen und jedes einzelne Gebäude ist mühevoll restauriert und einfach perfekt. Das Beste ist, dass man sich ewig in der Altstadt treiben lassen kann, von Gasse zu Gasse und dieses Meer von alten tollen Häusern scheint gar nicht aufzuhören. Wenn man sich deutsche Städte anschaut, findet man sicherlich auch schöne Altstädte, aber mit der Prager Altstadt kann meiner Meinung nach, weder München noch Köln mithalten. Es ist wie Disneyland – nur besser und echt. Soll wohl daran liegen, dass Prag beide Weltkriege relativ unbeschadet überstanden hat.

In den folgenden Tagen erkundeten wir also die Prager Burg (das größte zusammenhängende Burgenareal der Welt), die Karlsbrücke, die Insel Kampa, den Prager Eiffelturm, das jüdische Viertel und vieles mehr. Was aber mindestens genauso spannend war, war die böhmische Küche. Diese lässt sich am aller besten in Restaurants erkunden, in denen auch die Einheimischen essen gehen und nicht nur die Touristen. Diese Restaurants zu finden, kann manchmal etwas schwierig sein – das Suchen lohnt sich aber in jedem Fall.

Schweinshaxe mit zweierlei Knödeln und Kraut/ Entenkeule mit Knödeln und Kraut
Schweinshaxe mit zweierlei Knödeln und Kraut/ Entenkeule mit Knödeln und Kraut und Röstzwiebeln

Doch was hat die böhmische Küche zu bieten und was kommt bei den Tschechen so auf den Tisch? Die böhmische Küche ähnelt in gewisser Weise der bayrischen und österreichischen. Im Mittelpunkt steht oft Fleisch, die Soßen sind kräftig und die Beilagen deftig. In Tschechien wird sehr viel Schweinefleisch, aber auch Ente und Wild gegessen. Das Nationalgericht ist „vepřo-knedlo-zelo“ – ein Schweinsbraten mit Knödeln und Kraut. Knödel und Kraut gibt es zu fast jedem Fleisch und meistens findet man auf seinem Teller leckere Semmelknödel, aber auch andere Knödelarten. Das Kraut kann sowohl Sauerkraut als auch Rotkohl sein und rundet die Gerichte nochmal mit seiner sauren Note ab. Der Unterschied zur bayrischen Küche ist die Benutzung von viel Knoblauch und etwas mehr Salz, obwohl man da natürlich auch nicht jeden Koch über einen Kamm scheren kann. Ein weiteres typisch tschechisches Gewürz ist sicherlich der Kümmel, über den sich ja bekanntlich die Geister scheiden. Ich persönlich finde ihn in Maßen sehr spannend. Doch die tschechische Küche hat weitaus mehr zu bieten als deftige Fleischspeisen, denn gerade die Desserts sind oft fantastisch. Zum einen gibt es eine Vielzahl von süßen Knödeln, oft mit frischen Früchten oder Pflaumenmus gefüllt. Der Teig der Knödel kann dabei variieren. Sowohl Hefeknödel als auch Quarkklösschen sind vertreten und alle einfach nur zum darin Wälzen lecker. Ein weiteres tschechisches Gericht, was einige von euch wahrscheinlich auch schon aus Österreich kennen ist der „palačinky“. Dabei handelt es sich um den bekannten Palatschinken, einen dünnen Pfannkuchen (oder Eierkuchen, wenn ihr aus Berlin kommt). Dieser wird mit verschiedenen Toppings und Eissorten kombiniert. Ein weiterer Leckerbissen, den man in Prag an jeder Ecke findet und unbedingt einmal ausprobieren sollte ist der „Trdelnik“, ein traditionelles Gebäck, was auf Stöcken aufgerollt wird und dann über Kohle gegrillt wird. Dieses Gebäck hat seinen Ursprung zwar eigentlich in der Slowakei, ist aber aus Prag gar nicht mehr wegzudenken. Natürlich spielt auch der Preis immer eine große Rolle für Touristen und der ist abseits von den großen Plätzen mit den „Touri-Schuppen“ überraschend gering. Ein 3-Gänge-Menü mit Getränken haben wir oft für umgerechnet unter 15€ bekommen.

U Fleku, Prag
U Fleku, Prag

Und was trinken die Tschechen zu Schweinshaxe und co.? Unsere lieben Nachbarn sind uns in einem sehr ähnlich. Sie lieben Bier, sogar noch etwas mehr als wir, denn der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt dort bei 144 Litern. Damit sind die Tschechen Europameister im Bier trinken. Wir deutschen kommen nur auf Platz zwei mit deutlichem Abstand und 107 Liter pro Kopf und Jahr. In Tschechien wird dabei vor allem Pils getrunken, was in den zahlreichen Brauereien gebraut wird. Eine sehr bekannte Brauerei mit angeschlossenem Brauhaus in Prag ist das U Fleku. Dort bekommt man nicht nur leckeres Bier, sondern auch typisches Essen. Das U Fleku ist eine echte Institution in Prag und gehört meiner Meinung nach zu Prag, wie das Früh am Dom zu Köln. Es ist definitiv immer eine Reise wert.

Das tschechische Bier ist oft sehr süffig, wovon man sich jedoch nicht täuschen lassen sollte, denn der Alkoholgehalt ist nicht selten über 5%. Ausser Bier spielen auch verschiedenen Schnäpse eine große Rolle in der tschechischen Trinkkultur. Vor dem Essen wird gerne ein Schnaps auf Honigbasis getrunken, um den Magen vorzubereiten und nach dem Essen wir oft mit einem Kräuterschnaps abgeschlossen.

Ich bin begeistert! Begeistert von diesem tollen Land, der tollen Natur, den tollen Menschen, …von Prag, dem leckeren Essen und der Kultur dieses Landes. Prag ist eine Perle und ich glaube Prag wird leider oft unterschätzt. Viele Touristen die wir gesehen haben, waren wegen dem günstigen Bier für ihren Junggesellenabschied angereist und das wird Prag finde ich absolut nicht gerecht. Diese Stadt ist keine Saufhochburg, sondern ein Stück lebendige Geschichte, wie man sie selten findet. Ich könnte Wochen damit verbringen mich durch die Restaurants zu essen und weitere Monate dieses tolle Volk und diese wunderschöne Stadt besser kennen zu lernen. Ich kann jedem nur nahe legen, diese Stadt mindestens einmal zu besuchen und ich bin mir sicher, dass es nicht bei einem Mal bleiben wird.

Až příště, Jana Lavendel

Fahrradtour zum Hofladen bei herrlichstem Sonnenschein

IMG_2822Habt ihr auch heute die Sonne genossen? Ich habe die Zeit für eine erste Radtour genutzt und auf dem Rückweg halt bei einem kleinen Hofladen gemacht. Ich kaufe gerne bei solchen Läden oder auf Märkten, denn man weiß, wo das Gemüse herkommt und bekommt eine gute Qualität für wenig Geld. Lasst euch überraschen, was ich die kommenden Tage so mit den gekauften Zutaten kredenzen werde… Ein Teil davon wird sicherlich in der Kartoffelpfanne aus dem Ofen landen.

Einen sonnigen Abend wünscht euch eure Jana